Morgens gibt's die Zeitung - und ein Lächeln gratis

Sieben.
Nicht Geißlein oder glorreiche Typen, sondern Orte: In sieben verschiedenen Orten habe ich in meinem Leben bisher gewohnt. Sie waren im Osten, im Westen, im Süden und in der Mitte.
Jeder Umzug war der Aufbruch in etwas völlig Neues. Eine neueRegion, nicht selten mit einem mir bislang unbekanntem Dialekt, neue Leute und dem Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen.
Die ersten Jahre meines Lebens habe ich in einem kleinen Dorf verbracht: Ein heimeliges Örtchen, in dem jeder jeden kennt. Ein schöner Platz zum Leben, wo schon meine Großeltern aufgewachsen waren.
Immer, wenn ich durch die Straßen ging, wurde ich angesprochen, gefragt, wie es mir denn in der Schule gefällt und sollte zu Hause Grüße ausrichten.
Als ich mit meinen Eltern in eine andere Region, viele hundert Kilometer entfernt zog, war es genau dieses Gefühl, ein Teil dieses Ortes zu sein, was mir irgendwie fehlte - auch wenn ich das als Teenager nie so bewusst formulierte.
Das neue Dorf war anders, die Menschen dachten anders, sprachen anders und kannten nichts von meiner Familiengeschichte. Und doch gehörte ich irgendwann dazu, obwohl oder gerade weil ich mir die Anerkennung der Gleichaltrigen hart erkämpfen musste.
Später im Studium fiel mir der Weg in eine neue Stadt nicht mehr schwer. Alles war aufregend: neue Stadt, neue Möglichkeiten. Die damit verbundene Anonymität nahm ich in Kauf.
Und heute?
Heute lebe ich in der Großstadt, mittendrin. Meine Nachbarn kenne ich nur von flüchtigen Begegnungen im Fahrstuhl. Doch in unserem Haus ist ein kleiner Laden für Schreibwaren. Hier kaufe ich jeden Morgen meine Zeitung - und werde immer ganz herzlich begrüßt: "Guten Morgen, wie geht es denn heute? Haben Sie den Bus gestern noch geschafft? Warten Sie mal, ich habe ein Paket für Sie angenommen. Kein Geld dabei? Ach, dann zahlen Sie halt morgen...."
Zu den netten Worten gibt es von der lieben Zeitungsfrau jeden Morgen ein strahlendes Lächeln - für alle! Ich spreche mit den Nachbarn, die auch gerade die Zeitung holen und irgendwie habe ich dann das Gefühl, dass ich hier zu Hause bin, genau hier, in dieser Ecke der Stadt. Ich bin nicht mehr anonym und das fühlt sich sehr gut an...












