Wirf nicht den ganzen Tag weg, wenn dir was Blödes passiert!

Früher hat meine ganze Familie in einem kleinen Landkreis gewohnt. Wir haben uns jeden Sonntag zum Kaffee getroffen, haben viel gemeinsam unternommen - unser Leben gemeinsam gelebt.
Das geht heute nicht mehr so oft. Das Familienleben findet am Telefon und in den Ferien statt. Wir wohnen einfach zu weit voneinander entfernt. Jeder ist seinem Weg, seiner Karriere ode rseiner LIebe irgendwo hin gefolgt.
Ich liebe die Stadt in der ich lebe sehr, genieße, dass ich hier so viel machen kann. Langweilig wird es nie, doch manchmal fehlen mir meine Eltern. Wir haben eine sehr enge Bindung, telefonieren täglic.Es fällt mir schwer, sie über Wochen nicht zu sehen.
Umso schöner ist es, wenn sie mir kleine Grüße in den Alltag senden, durch die ich mich ihnen sehr nah fühle. So wie gestern Morgen: Noch vor dem Klingeln des Weckers bekam ich eine Nachricht von meiner Mama. Darin ein Bild meines Vaters und meiner geliebten kleinen Katze. Die beiden lagen friedlich nebeneinander im Bett und schliefen. Wie süß! Für einen Moment spielte es keine Rolle, dass ich 500 Kilometer weit weg war. In dem Moment war ich dort, am Kuscheln mit meinen Eltern. Ein schöner Start in den Tag.
Über den ganzen Tag passierten lauter schöne Dinge, Gespräche mit Kollegen, Anrufe von Freunden, kleine Erfolgserlebnisse. Ich war zufrieden!
Doch dann passiert mir auf dem Heimweg was Blödes: In der U-Bahn kamen die Fahrkarten-Kontrolleure. Kein Problem, ich habe eine Dauerkarte. Jeden Monat wird das Geld dafür abgebucht. Leider war das Datum auf der Jahreskarte abgelaufen und die neue steckte noch nicht im Geldbeutel. Das merkten natürlich auch die Kontrolleure. Nun muss ich in die Zentrale und dort wird dann festgestellt, dass ich ja eigentlich nicht schwarz gefahren bin. Fünf Euro kostet das trotzdem, weil ich die Karte nicht dabei hatte. Ich fluchte innerlich: "So eine schei...."
Es war ein Erlebnis zwei Stunden später, was mich wieder zu meiner Zufriedenheit zurück brachte: Inmitten einer großen Menschenmenge stand ein Rollstuhl-Fahrer und wollte die hiesige Straßenzeitung verkaufen. Ich beobachtete ihn eine Weile. Viele Menschen ging an ihm vorbei, schauten mit Absicht an die Seite, ignorierten ihn. Er war traurig, das sah man ihm deutlich an. Ich überlegte kurz: Eigentlich muss ich jetzt von meinem restlichen Kleingeld eine Fahrkarte kaufen, ich habe ja keine dabei......Ach, was soll's. Ich gab mein ganzes Kleingeld dem Rollstuhlfahrer. Es war weit mehr, als die Zeitung kostete. Er bedankte sich mehrere Male, wünschte mir: "Einen schönen Abend, ein schönes Wochenende und ein schönes Leben noch.".
Ich gebe es zu: Ich bin ohne Fahrkarte nach Hause gefahren, aber mit einem guten Gefühl. Ich habe den ganzen Tag so viel schönes erlebt - und die Sache mit der Fahrkarte hat es nicht geschafft, mir meine inner Ruhe zu nehmen!
In diesem Sinne ein sonniges Wochenende.
Euer
Happy Journalist












